Die Fruchtbringende Gesellschaft

"Alles zu Nutzen" - selten hat ein Motto eine Vereinigung derart gut charakterisiert wie diese drei Worte die Fruchtbringende Gesellschaft. 1617, am Vorabend des verheerenden Dreißigjährigen Krieges, wurde sie in Weimar gegründet, federführend mit dabei Fürst Ludwig von Anhalt-Köthen. Ihn benannten die Gründungsmitglieder auch als Oberhaupt, eine Entscheidung, die das Köthener Schloss zum Sitz dieser ersten und bedeutendsten Sprachakademie Deutschlands machte. Vor sich sahen die Mitglieder eine Mammutarbeit. War es doch eines ihrer Ziele, Deutsch zu einer Schriftsprache zu entwickeln und vor allem zu pflegen, die den Vergleich mit Französisch, Italienisch und Latein nicht länger würde scheuen müssen. Ohne die damals so verhängnisvollen konfessionellen Gegensätze, man bedenke den ein Jahr später einsetzenden Dreißigjährigen Krieg, nahm man geeignete Bewerber auf und brachte die Gesellschaft schnell auf mehr als 800 Fruchtbringer. Darunter waren bedeutende Dichter und Poeten wie Martin Opitz oder Andreas Gryphius ebenso wie Regenten und Politiker wie etwa Axel Oxenstierna, der schwedische Reichskanzler. Bücher und Schriften wurden geschrieben und in der eigens im Köthener Schloss eingerichteten Druckerei gedruckt, ausländische Werke übersetzt, Diskurse zur Sprache geführt. Der rege Austausch zwischen den Mitgliedern war nicht nur im Sinne der deutschen Sprache fruchtbringend, sondern er wirkte in Kriegszeiten auch auf diplomatischem Parkett. Darüberhinaus trieb die meist adeligen Fruchtbringer natürlich auch die Ideale von Ritterlichkeit und Tugendhaftigkeit um. Wenn auch die Gesellschaft selbst sich zwei Generationen später verlor, lebte doch ihr Erbe umso intensiver weiter.

Im Januar 2007 schließlich wurde die Neue Fruchtbringende Gesellschaft gegründet, die das Anliegen der alten Gesellschaft in das 21. Jahrhundert überträgt. Nach wie vor geht es darum, das Bewusstsein für den Wert der deutschen Sprache zu schärfen, vor allem auch bei der jungen Generation. Ideale Werkzeuge dazu sind nicht nur öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen wie der Tag der deutschen Sprache und Wettbewerbe, sondern auch die „Erlebniswelt deutsche Sprache“. Direkt benachbart zum Historischen Museum im Köthener Schloss gibt es hier in allgemeinverständlicher Form die Geschichte der deutschen Sprache zu erleben – interaktiv und unterhaltsam. Im Historischen Museum selbst wird der sogenannte Erzschrein der alten Fruchtbringenden Gesellschaft verwahrt, ein unermesslicher Schatz an schriftlichen Hinterlassenschaften, allen voran die Gesellschaftsbücher.

Mehr Informationen zur Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft finden Sie auf deren Seite im Netz.