Die Winterreise macht Station in Weißenfels

Das Wetter zeigte sich ein wenig freundlicher als tags zuvor, wenn auch der Wind die Reisegesellschaft ebenso frösteln ließ wie die Gastgeber und die Presse. Das Schloss Weißenfels empfing "Johann Sebastian Bach" sehr gastfreundschaftlich, der Kulturamtsleiter Robert Brückner stieg mit in die Kutsche ein, die, wiederum in bewährter Manier von Anke Dehn gelenkt, in den Innenhof der Neu Augustusburg einfuhr. Zu ihm und Bach hatte sich noch ein weiterer illustrer Gast gesellt: Martin Petzold, Opern- und Kammersänger, war aus seiner Heimat Leipzig angereist, um Teil der Winterreise zu werden. Schnell kam man ins Gespräch und Martin Petzold spannte mit unterhaltsamer Eloquenz den Bogen seines Lebens hin zu Bach, mit dessen Musik seine Vita von frühester Jugend an verknüpft ist.

Thematisiert wurde natürlich auch Weißenfels, das man als Station nicht von ungefähr wählte. Weilte doch Bach häufiger in den Mauern der Stadt, musizierte mehrfach am kurfürstlichen Hof, stand in guten Beziehungen zu den Musikern. Hier namentlich zum Hof- und Feldtromper Johann Kaspar Wilcken, dessen Tochter Anna Magdalena in Köthen Bachs zweite Ehefrau werden sollte. Doch damit nicht genug, nach dem Tod seines ehemaligen Dienstherrn Leopold von Anhalt-Köthen wurde Bach zum Titular-Hofkapellmeister des in Weißenfels residierenden Kurfürsten ernannt.

Berührt zeigten sich alle Anwesenden, als Martin Petzold in der prächtigen Schlosskirche seine wunderbare Tenorstimme erklingen ließ, um Beispiele für Bachs vokale Tonkünste erklingen zu lassen. Noch lange wurde sich ausgetauscht, Kontakte geknüpft. Schließlich ging nach herzlicher Verabschiedung die Reise weiter. Merseburg heißt das nächste Ziel. Aber dies sollte nicht angegangen werden, ohne sich vorher bei der Stadt Weißenfels und der Schlosskirche für die herzliche Gastfreundschaft zu bedanken! Es war ein großes Vergnügen!