"Bach" trifft endlich "Händel" in Halle!

Was ist nicht schon über die missglückten Versuche Johann Sebastian Bachs, den nur wenige Wochen älteren Georg Friedrich Händel zu treffen, geschrieben worden! Bei der heutigen Ankunft in Halle war es quasi endlich soweit: "Bach" trifft "Händel" und dies mit großer Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Nachgeholfen bei der Begegnung hatte der Direktor der Stiftung des Händel-Hauses und Intendant der Händelfestspiele Clemens Birnbaum, der mit einem Augenzwinkern einen Gehrock und eine Perücke aus der aktuellen Sonderausstellung "Echt oder Fake?" überstreifte. Und trotz des strahlenden Sonnenscheins schnell die gleiche Feststellung machte wie Bach-Darsteller Christian Ratzel schon seit vielen Jahren: gut sieht es aus, aber es wärmt nicht! Clemens Birnbaum nahm sich sehr gern die Zeit und berichtete über die Verbindungen Halles zur Familie Bach. Dabei kamen Orgelprüfungen Johann Sebastian Bachs in der Saalestadt ebenso zur Sprache wie die Zeit Wilhelm Friedemann Bachs als Musikdirektor ebenda. Interessant waren Überlegungen und Thesen, inwieweit Händel die Musik Bachs überhaupt kannte.

Zu diesen und vielen anderen Punkten konnte auch der zweite Reisegast des Tages vieles Wissenswerte und Interessante beitragen: Thomasorganist Ullrich Böhme hatte sich eigens aus Leipzig auf dem Weg gemacht, um Teil der Winterreise zu sein. In jener Kirche zu wirken, in welcher auch Bach so lange und intensiv musizierte - und auch begraben liegt - erfülle ihn immer noch mit Ehrerbietung, das sei nichts, woran man sich gewöhne. Dabei hat er dieses Amt schon seit Mitte der 80er Jahre inne. Beide Gesprächspartner sprachen über die Musik Bachs und ihre persönlichen Erfahrungen mit seinen Werken. Und ähnlich wie bei Bach ist beider Terminkalender prall gefüllt. Während Birnbaum natürlich stets vollauf damit zu tun hat, die Stiftung Händel-Haus zu leiten und längst dabei ist, schon die über- und überübernächsten Händelfestspiele zu durchdenken, stehen Böhme gerade in der Weihnachtszeit viele Konzerte ins Haus, allein drei Mal wird es demnächst das Weihnachtsoratorium geben, dazu auch noch das Magnificat. Er hoffe, Anfang Januar ein wenig Ruhe zu finden, aber das Musikgeschehen werde das kaum zulassen. Wirklich zu stören scheint dies den leidenschaftlichen Musiker nicht.

Bei einem Gang durch die wirklich sehr sehenswerte und beeindruckende Ausstellung des Händel-Hauses ließ es sich Ullrich Böhme nicht nehmen, auf Cembalo und Orgel zu musizieren. Danach kam die Stunde des Abschiedes. Und damit erneut der Moment der so angenehmen Pflicht, Danke zu sagen, Danke an die Stiftung Händel-Haus mit Clemens Birnbaum und seinen Mitstreitern für die Gastfreundschaft. Und Ullrich Böhme für seinen Besuch. Beide bescherten interessante Einblicke und anregende Gespräche.
Anregend war es übrigens auch am frühen Vormittag zugegangen: die dritten und vierten Klassen der ersten Kreativitätsschule in Halle verbrachten mit "Bach" eine knappe Dreiviertelstunde, die längst nicht ausreichte, alle Fragen der Schüler zu beantworten. Auch hier ein großer Dank an die Schule, sich auf derlei Abenteuer eingelassen zu haben.